Wer gesagt hat schriftliche Prüfungen seien schlimm, der hat noch nie eine mündliche Prüfung gehabt.

Ausbildung, Berufsschule

Nachdem die schriftlichen Prüfungen vorbei waren, hieß es warten auf die Prüfungsergebnisse. Hat man‘s geschafft? Ist man durchgefallen? Muss man sogar in eine Nachprüfung? Sorgen über Sorgen.

Wenn man nach der Prüfung mit einem guten Gefühl die Prüfungshalle verlassen hatte, hatte man nach ein paar Wochen kein so gutes Gefühl mehr. Plötzlich fielen einem alle Leichtsinnsfehler auf, die man in der schriftlichen gemacht hatte und man konnte schon die schlechte/n Note/n vor sich sehen. Diese 7 Wochen Wartezeit können einen eben schon in Angst und Bange versetzen.

Die Zeit verging und irgendwann kam der Tag X. Ein Brief von der Steuerberaterkammer adressiert an uns. PERSÖNLICH. Stand dick und fett über unserer Adresse. Als würde man eine tickende Zeitbombe entschärfen, so hatten wir uns gefühlt als wir den Umschlag in der Hand hielten und diesen aufmachten. Aber: Zum Glück Bestanden!

Das wars nur leider noch nicht. Da war noch die mündliche Prüfung, zu der wir eingeladen waren.    Die letzte und dadurch irgendwie wichtigste Prüfung. Von dieser Prüfung hing nun schließlich alles weitere ab.

Die Prüfung lief nicht lange – ganz und gar nicht. Man darf zwei Themen aus drei Stapeln ziehen und sich dann eins von den beiden aussuchen. Danach hat man 10 Minuten Bearbeitungszeit in einem separaten Raum um einen Kurzvortrag über das gewählte Thema vorzubereiten, welchen man im Anschluss den Prüfern vorstellen muss. Klingt easy genug, oder? Wars aber nicht.                             Nun, die Bearbeitung des Falls und der dazugehörige kleine Vortrag war eigentlich  kein Problem – außer man hatte wirklich ein Gebiet, in dem man unsicher war.  Aber nachdem man sein gewähltes Thema vorgestellt hatte, wurde man noch einmal mit tiefergehenden Fragen ‚bombadiert‘. Und es ist wirklich nicht einfach zu denken, wenn der Prüfer einen mit einem Pokerface anstarrt, selbst wenn man sich eigentlich sicher ist,  die richtige  Antwort zu kennen.

Und auch dann heißt es noch einmal bangen. Man wird gebeten den Raum zu verlassen, dass die Prüfer sich noch einmal beraten können um über die Note des Prüflings zu entscheiden. Es ist eine Sache von 5 Minuten. Wenn überhaupt. Bevor sie einen wieder reinholen und einem endlich sagen man hätte es geschafft, endgültig.

Wir müssen ehrlich sagen, so ganz haben wir das immer noch nicht realisiert. Es war kein einfacher Weg die letzten drei Jahre. Dafür ist die Zeit aber doch sehr schnell vergangen, während wir jeden Monat aufs Neue dem 10. nachgerannt sind. Mit der Schule sind wir nun zwar fertig, ausgelernt hat man, gerade in unserem Beruf, wohl aber nie.

An dieser Stelle ein großer Dank an unsere Kollegen, die uns auf diesem Wege begleitet und jede Frage beantwortet haben.

Jennifer Russ und Bahar Koluacik